Neues (und Altes) von den Spiritanern

Ende Januar, Anfang Februar ist «Reisezeit». Jedes Jahr in den Tagen vor dem 2. Februar treffen wir uns zur Spiritanerversammlung der zentralafrikanischen Provinz in Bangui. Der 2. Februar ist nämlich der Todestag des zweiten Gründers unseres Missionsordens, P Libermann.

Dieses Mal ging es bei dem Treffen vor allem um Themen und Beschlüsse unseres Generalkapitels, das im vergangenen Jahr in Bagamoyo/Tansania stattfand. P. Blaise, unser Provinzial, hatte im Namen unserer Provinz daran teilgenommen und berichtete von der Generalversammlung, die alle acht Jahre einberufen wird und das höchste Beschlussgremium unserer Kongregation ist. (Eigentlich hätte das Treffen schon im vergangenen Jahr in Polen stattfinden sollen, aber Corona hat dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung gemacht – und auch den Ort verschoben: Um die Versammlung nicht noch um ein weiteres Jahr aufzuschieben, wurde sie wieder nach Bagamoyo verlegt, wo die Delegierten auch schon 2012 getagt hatten. In Tansania war es mit den Einreisebestimmungen für die Teilnehmer aus so vielen Ländern einfacher.)

P. Mayama auf Besuch in Bangui in 2017

Gewählt wird dabei auch, und zwar ein neuer «Generaloberer» (so heißt das bei uns) und sein Rat. Zum ersten mal steht jetzt ein afrikanischer Spiritaner an der Spitze unseres Ordens: Pater Alain Mayama aus dem Kongo (Brazzaville) ist unser neue Generalobere.

In den ersten zwei Jahrhunderten nach der Gründung der «Messieurs du Saint Esprit» – der «Herren vom Heiligen Geist» – so hieß das ganz am Anfang – waren es immer Franzosen, die den Orden leiteten. Im zwanzigsten Jahrhundert wurden auch mal ein Ire oder ein Niederländer gewählt, aber zumeist blieben Franzosen an der Spitze.

Der Bekannteste unter ihnen dürfte Bischof Lefebvre gewesen sein – ja, genau der, der mit den abgespaltenen Traditionalisten. (Lefebvre war tatsächlich Spiritaner gewesen und hatte als Generaloberer unseres Ordens am 2. Vatikanischen Konzil teilgenommen. Dort hatte er sich mit aller Kraft gegen den neuen «Geist des Konzils» gestemmt, gegen eine Öffnung zur modernen Welt, gegen Ökumene und Dialog der Religionen, gegen eine Liturgie in den jeweiligen Landessprachen und so weiter. Kurze Zeit danach jedoch setzten ihn seine Mitbrüder als Generaloberen wieder ab. Lefebvre ging in die Schweiz, eröffnete sein Priesterseminar, weihte seine eigenen Bischöfe und spaltete sich somit von Rom und der Einheit der Kirche ab. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Wie auch immer. Nun haben wir 180 Jahre nach der Gründung des «Œuvre des Noirs» (des «Werks der Schwarzen», wie P. Libermann sein Projekt der Missionierung Afrikas zu Kolonialzeiten nannte) – endlich – einen afrikanischen Generaloberen.

Am 5. September 2015 in Paris

Unter den neu gewählten Generalräten ist auch Marc Botzung, der Obere der französischen Spiritanerprovinz. Vielleicht erinnern sich einige, die diesen Blog lesen, an ihn. Als ich im September 2015 in der Kapelle unseres Mutterhauses in Paris meine Ewigen Gelübde abgelegt habe, da hat er den Gottesdienst geleitet.

Bei unserer Versammlung in Bangui  ging es also um Personalien, aber auch um kleinere Änderungen unserer Lebensregel (die allerdings nur Formales betreffen) und um klassische und neue Schwerpunkte unserer Missionsarbeit.

Pater Piet Meeuws CSSp verstorben

Am Freitag, den 10. Dezember 2021 erreichte uns die Nachricht, dass der niederländische Spiritanermissionar Piet Meeuws im Alter von 83 Jahren im Krankenhaus von Boxmeer verstorben war. Insgesamt hatte Pater Piet 35 Jahre lang in der Zentralafrikanischen Republik gelebt und gewirkt, in Bangassou, Zemio und vor allem in Mobaye. Im Jahr 2010 war er definitiv in seine Heimat zurückgekehrt.

Viele aus unserer Gemeinde erinnern sich noch lebhaft an ihren „Piet“, das heißt, an den einen unter den vielen, denn irgendwie hießen eine ganze Reihe von holländischen Patres „Piet“. haben wir eine Woche nach seinem Tod einen Gebets- und Gedenktag in unserer Pfarrei organisiert. Schlicht, einfach, wie er selber immer war, und doch sehr beeindruckend.

Um 7 Uhr morgens haben wir begonnen und das Allerheiligste ausgesetzt. So konnte ein Jeder zunächst in Stille beten. Neben dem Altar hatten wir ein Foto des Verstorbenen aufgestellt. Als die Kirche sich dann etwas gefüllt hatte, haben wir dazu eingeladen, persönliche Erinnerungen an das, was Pater Piet getan und gewirkt hat, mit der Gemeinde zu teilen. Viele Menschen sind nach vorn gekommen, haben sich vor das Bild gestellt, zu ihm gesprochen und sich bedankt für all das, was sie mit ihm erlebt hatten. Schweres und Trauriges war dabei, vor allem aber Dankbarkeit für die vielen Augenblicke, in denen er da war, geholfen und Mut gemacht hat. Und manchmal waren auch Anekdoten zum Lachen dabei.

Gegen Mittag haben wir Eucharistie gefeiert. Es war, als riefe er noch einmal selber „seine“ Christen zum Gottesdienst, wie all die Jahre zuvor.

Und weil Pater Piet auch gern Kaffee trank, gab’s zum Abschluss unter unserer Veranda ein Kaffetrinken.

Ich selber habe Piet auch noch kennengelernt, damals, als ich als „Missionar auf Zeit“ in Alindao war und von Zeit zu Zeit nach Mobaye kam. Später war er dann zu meiner Priesterweihe nach Knechtsteden gekommen, und im vergangenen Jahr habe ich ihn während meines Heimaturlaubs im Missionshaus der niederländischen  Spiritaner in Gennep noch einmal besuchen können.

Mit dem Tod von Pater Piet, auch wenn er schon wieder über zehn Jahre in Holland lebte, ist erneut ein Symbol einer „klassischen“ Ära erloschen, die Ära der europäischen Missionarinnen und Missionare in Afrika. Sicher, „wir“ sind noch einige, aber nur noch ganz wenige. (Am Rande bemerkt: Ich bin der einzige deutsche Missionar in der ganzen Zentralafrikanischen Republik, auch deutsche Ordensschwestern oder Laienmissionare gibt es nicht mehr). Neue Zeiten stellen jetzt neue Herausforderungen an die Nachfolger und an die Weltkirche im Ganzen.

Und dabei geht es für mich vor allem um das Eine, überall in der Welt: Um Demut, Authentizität und Wahrhaftigkeit. Aber das ist ein anderes Thema.

Weihnachten im Herzen Afrikas

Aus Deutschland erreichen mich Bilder von verschneiten Häusern und leuchtenden Tannenbäumen.

Hier ist es dagegen tagsüber heiß und staubig, nachts kann es aber auch etwas frisch werden.

Weihnachten ist auch bei uns ein großes Fest, wenn auch ganz anders.

Die kirchliche Feier der Heiligen Nacht kennt den gleichen Ablauf wie in Deutschland, die Atmosphäre ist jedoch eine ganz andere: es ist nicht „still“ und „heimelich“; es ist „laut“ und „fröhlich“. Bis zum Gloria-Lied blieb die Kirche allerdings in Dunkel getaucht, nur einige Kerzen erhellten den Raum. Wie im Stall von Bethlehem eben. Zum Lied der „Engel auf den Feldern“ auf Sango habe ich mit unseren Messdienern eine kleine Choreographie einstudiert (das geht hier in 10 Minuten). Wir sind tanzend durch die Kirche zum Stall gezogen, wo dann die Figur des Jesuskindes in die Krippe gelegt wurde – und die blinkenden Lichter funkelten. Da bleibt niemand ruhig auf seinem Platz sitzen, da „bebt“ die Kirche: „Ayingo-va na yayu ka, ala he bia ti gonda lo…“

Auch das hat 10 Minuten gedauert.

Abends, vor dem Einschlafen, habe ich dann aber doch noch in aller Ruhe ein „Stille Nacht, Heilige Nacht“ abgespielt.

Zur Weihnacht

„Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich für euch denke – Spruch des HERRN -, Gedanken des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“

(Jer 29,11)

Euch und Ihnen Allen ein gesegnetes Weihnachtsfest!

„Caritas Deutschland“ jetzt auch in Mobaye

Ein großes Projekt, das sich über knapp fünf Jahre erstrecken soll, ist nun auch in der Diözese von Alindao angekommen, und vor allem bei uns in Mobaye.

„Caritas Deutschland“ unterstützt und stärkt mit Geldern des „Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ den „Wiederaufbau“ in der weitläufigen Zone entlang des Ubangi-Flusses. Es geht dabei um verschiedene Projekte in den Bereichen „Nahrungsmittelsicherheit“, „Frieden und Versöhnung“ sowie „Gesundheit“.

In der vergangenen Woche war auch bei uns offizieller Start des Programms.

Unter anderem ist der Bau einer Gesundheitsstation in Bôh, einem der Dörfer am Fluss, vorgesehen, das vor zwei Jahren sehr unter den Überschwemmungen des Ubangi gelitten hat. Mit den Verantwortlichen des schon bestehenden Postens und den Dorfchefs haben wir auf dem zukünftigen Bauplatz eine weitere Versammlung abgehalten: Was ist der Beitrag der Caritas, was wird von der Bevölkerung an freiwilligem Einsatz erwartet?

Ein Bild des Aufbruchs: „Bahnt für den Herrn einen Weg!“ (Jes 40,3) . Wir sind in den letzten Tagen des Advent…

„Unser“ Advent

Über vier Monate sind meinem letzten Eintrag vergangenen. Nach meinem Heimatbesuch im September mit vielen schönen Momenten und Begegnungen hatte mich die zentralafrikanische Wirklichkeit wieder eingeholt…

Der Landweg zwischen Bangui und Mobaye bleibt weiter „rote Zone“, zu oft kommt es zu Überfällen der Rebellen auf Autos und Motorräder. Wenige Tage nach meiner Ankunft hatten die Seleka einen Konvoi von drei LKW zwischen Bambari und Alindao angegriffen, geplündert und die Fahrzeuge  schließlich in Brand gesetzt. Über dreißig Menschen fanden dabei den Tod.

So bin ich wieder mit dem Einbaumboot mit Außenbordmotor nach Mobaye zurückgefahren. Sechs Tage haben wir gebraucht, unter sengender Sonne und in strömenden Regen. Nachts schläft man irgendwo am Ufer, tagsüber im Boot

Zwar warten nirgends Seleka-Rebellen auf die Pirogen, wohl aber immer noch Balaka-Kämpfer. Dann dauert es manchmal Stunden, bis man wieder weiter fahren darf. Bezahlen müssen wir mit Benzin (für ihre gestohlenen Motorräder), Bargeld und Alkohol. Aber da wir keine Bierkästen geladen hatten und uns somit auch nicht mit Bierflaschen freikaufen konnten, sagte man mir, dass ich dafür nun eine Strafgebühr zu entrichten habe. Teile des Landes bleiben weiter in der Hand von Rebellen und Banditen, trotz entgegen lautender Behauptungen der Regierung. 

In Mobaye selbst ist die Lage jedoch ruhig. Es sind zentralafrikanisches Militär, Polizei und zurzeit auch verlässliche Blauhelmsoldaten aus Bangladesch in der Stadt. Ein Angriff der Selekas auf Mobaye ist im Augenblick eher unwahrscheinlich.

Und so haben wir unser neues Pastoraljahr mit der Nachfeier unseres Jubiläums begonnen (dazu ein anderes Mal mehr), unsere Schulen haben ihren Betrieb wieder aufgenommen, die Mobile Klinik unternimmt ihre Touren, das katholische Krankenhaus in Zangba versorgt weiterhin mehrere Hundert Patienten pro Monat und in all dem bleiben wir von Covid 19 auf wundersame Weise verschont.

Eine gesegnete Adventszeit!

Eine Beerdigung

Schon mehrfach habe ich auf diesem Blog über die hohe Kindersterblichkeit in der Zentralafrikanischen Republik geschrieben; eine traurige Wirklichkeit, die natürlich auch Auswirkungen auf unsere pastorale Arbeit hat.

Eines Tages, frühmorgens, erfuhr ich, dass die kleine Tochter Marie Madeleine unseres Katecheten Vincent in Lembo verstorben war. Es gehört zu den Aufgaben unserer Dorfkatecheten, Verstorbene zu bestatten, aber sein eigenes Kind zu beerdigen ist natürlich nur schwer zu ertragen. So machte ich mich mittags mit dem Motorrad auf den Weg in das kleine Fischerdorf am Fluss.

Das Mädchen war in der Nacht zuvor in dem kleinen Dorfgesundheitsposten gestorben. Der Gesundheitshelfer hatte noch alles versucht, was ihm möglich war: Behandlung der Malaria, Gabe von Antibiotika, aber es war wohl zu spät. Wie so oft.

Als ich in Lembo ankam, saßen schon etliche Männer draußen unter dem Mangobaum versammelt und warteten. Die Frauen hockten in ihre bunten Tücher gehüllt um den kleinen Leichnam herum, der im Haus aufgebahrt war. Das Mädchen war ein knappes Jahr alt geworden.

„Wir müssen noch ein wenig warten, der Sarg ist noch nicht fertig“, ließ man mich wissen. „Kein Problem“, sagte ich, „warten wir ein wenig.“

Zwischenzeitlich verdunkelte sich der Himmel, erste Regentropfen fielen. Dann war der kleine Kasten aus Holz fertig. In einer Prozession sind wir rasch in die Kirche eingezogen, haben das Kind in seinem geöffneten Sarg vor dem Altar aufgebahrt und begonnen, den Auferstehungsgottesdienst zu feiern.

Draußen regnete es mittlerweile in Strömen, das ganze Gotteshaus hallte vom Lärm der unzähligen Regentropfen wider, die auf das Wellblechdach prasselten. Als die Gebete beendet waren, nahm der Regen nur noch weiter zu und schien nicht aufhören zu wollen. Über zwei Stunden haben wir in der Kapelle neben dem kleinen Sarg gesessen, erst dann ließ der Regen etwas nach, und schließlich haben wir die kleine Marie Madeleine beerdigt.

Coronavirus, Teil5

Vor gut zwei Wochen lief in den heute-Nachrichten eine Kurzreportage zur Covid-19 Situation in der Zentralafrikanischen Republik. Von einer „dramatischen Corona-Lage“ war dort die Rede, „denn nur die wenigsten haben Zugang zu den Impfstoffen“.

Eine Nichtregierungsorganisation stiftet Gel zur Hândedesinfektion

Stimmt. Als ich das letzte Mal in Bangui war, habe auch ich nach einer Möglichkeit gesucht, mich impfen zu lassen. Ich bin ins größte Krankenhaus der Stadt gefahren, dem „Hôpital Communautaire“. Dort sagte man mir, der Impfstoff sei seit dem Wochenende verbraucht, ich solle es im „Hôpital Général“ versuchen. Dort angekommen, sagte man mir dasselbe: Kein Impfstoff mehr. Ebenso im Institut Pasteur, im „Hôpital d’Amitié“, im Krankenhaus von Bimbo, im Impfzentrum von Garagba. Die Zentralafrikanische Republik hatte eine Spende von Astra-Zeneca erhalten, aber die reichte grade für ein paar Tage in der Hauptstadt und für einige Impfungen in wenigen ausgewählten Städten des Landes.

Die Zahlen von Neuinfektionen zum Beispiel im Senegal und in Südafrika schnellen in die Höhe, in Bangui sind die paar Betten für Covid-Patienten wieder leer. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es im Juli kaum festgestellte Infektionen und keine Todesfälle. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/COVID-19-Pandemie_in_der_Zentralafrikanischen_Republik).

Die in der heute-Reportage zitierte deutsche Ärztin, die für drei Monate in Bossemptele arbeitet, hat es dann zurecht in die hiesigen Verhältnisse eingeordnet: Angesichts der gigantischen Zahl von Todesfällen aufgrund von Malaria, Durchfallerkrankungen, Tuberkulose, AIDS stellt Covid 19 auch noch im Juli 2021 ein eher kleines Problem der öffentlichen Gesundheit dar. Aber wir wissen natürlich nicht, ob eines Tages eine Variante des Virus vor Ort  explodieren wird.

In Mobaye gibt es aktuell keine Möglichkeit zum Testen und keine Möglichkeit zum Impfen und keine Möglichkeit mit Sauerstoff zu behandeln, sollte es denn zum Ausbruch der Krankheit auch bei uns kommen.

Hoffen wir also weiter, dass wir verschont bleiben…

„Légo ti Mobaye“ – „Die Stimme Mobayes“

Seit Kurzem gibt es eine eigene Radiostation in und für unsere Stadt und ihr Umland: „Légo ti Mobaye“ – „Die Stimme Mobayes“ heißt sie und spielt Musik und sendet Grüße.

Eine Nicht-Regierungsorganisation hilft in mehreren Städten des Landes, lokale Studios aufzubauen, vor Ort „Journalisten“ zu rekrutieren und auszubilden. Noch steckt alles in den Kinderschuhen, aber es funktioniert.

Allerdings gibt es keine „Nachrichten“. Zu riskant wäre es für die jungen Sprecher, über Rebellenbewegungen, Menschenrechtsverletzungen oder Korruption zu berichten. Noch herrscht auf dem gesamten Gebiet der Zentralafrikanischen Republik der Ausnahmezustand, gibt dem hiesigen Militär also jegliche Freiheiten zu schalten und zu walten, wie sie wollen. Und noch ist die Basse-Kotto bis zum Rande gefüllt mit Rebellen, die sich jedoch nicht mehr in den größeren Orten aufhalten, sondern im Busch und in den Wäldern. Keine guten Voraussetzungen für die Pressefreiheit.

Und so spielt der Sender Musik. Und berichtet über die kleinen Dinge des Alltags in unserem Provinzstädtchen. Und verkündet die Namen derjenigen Schülerinnen und Schüler, die an unseren Schulen die Versetzung geschafft haben.

Ein guter Grundstein ist gelegt.

Schüsse und Schule, ein Nachtrag

Am Donnerstag hatte ich Englisch-Unterricht in der neunten Klasse. Wir sind gerade dabei, unregelmäßige Verben kennenzulernen. Ich habe den Schülerinnen und Schülern eine Liste von Tätigkeitswörtern an die Hand gegeben, wie man sie von der letzten Seite in Englisch-Lehrbüchern kennt: Infinitive – Simple Past – Past Participle. „Wählt irgendein Verb aus, das Ihr kennt, und versucht damit, einen Satz zu bilden.“ – Als erstes meldet sich Jean-Pierre zu Wort: „The soldier shot the rebel.“ – „Der Soldat hat den Rebellen erschossen.“

Stimmt, „to shoot – schießen“ war auf der Liste. Er hätte jedoch auch einen Satz mit den Verben „essen, trinken, laufen, gehen…“ bilden können, die standen auch auf der Liste. Hat er aber nicht.

Dieser Moment im Englisch-Unterricht hat mir noch einmal drastisch vor Augen geführt, wie sehr die Lebenswelt unserer Jugendlichen von Gewalterfahrungen geprägt ist…