Unser Gesundheitszentrum in Kambo

In einem vorherigen Eintrag hatte ich einmal davon geschrieben, dass bislang keine große Nichtregierungsorganisation, wie z.B. das Rote Kreuz, Unicef oder „Ärzte ohne Grenzen“ unter unseren Flüchtlingen auf kongolesischer Seite tätig sei. Und ich hatte angemerkt, dass dies nicht an deren fehlender Bereitschaft liege, sondern an der alles blockierenden Verwaltung hier im Kongo. Auch P. William hatte das im französischen Fernsehen mit deutlichen Worten angeprangert.

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Mittlerweile gibt es eine erste positive Wende. „Ärzte ohne Grenzen“ (= „médecins sans frontières“ = MSF)  hat nach drei Monaten des Wartens eine Arbeitserlaubnis erhalten – mit deutlichen Auflagen, aber immerhin. Das internationale Team beginnt jetzt, bestehende kongolesische Gesundheitsposten und Krankenhäuser zu unterstützen – mit Fachwissen, Medikamenten, Bau von Latrinen und zusätzlicher Bezahlung für das lokale Personal.

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Auch unser Projekt in Kambo (Demokratische Republik Kongo) wird davon profitieren. Bedingung war, dass das Team unseres Krankenhauses von Zangba (Zentralafrikanische Republik) um Mama Marie-Antoinette nun im staatlichen Gesundheitsposten von Kambo arbeitet, Hand in Hand mit dem dreiköpfigen Team vor Ort. Unser System der kostenlosen Behandlung erhalten wir aufrecht – durch den Kauf der Medikamente und die Bezahlung des Personals. In zwei, drei Wochen will MSF das Projekt übernehmen. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

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Für ein paar Stunden in unserem Mobaye

Nach dem Angriff auf Mobaye am 18. September, der von den Seleka-Rebellen zurückgeschlagen wurde – wir waren ja einen Tag zuvor in den Kongo zurückgekehrt, ohne zu wissen, dass am nächsten Morgen die „Anti-Balakas“ angreifen würden – haben wir abgewartet, wie sich die Lage entwickeln würde. „Abgewartet“ – das heißt, unsere Pastoral und unsere zwei Gesundheitsprojekte unter den Flüchtlingen weiterbetrieben und gleichzeitig voller Sorge auf „unser“ Mobaye geschaut.

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Gestern bei der Überfahrt

Gestern haben wir es dann zum ersten Mal wieder gewagt und übergesetzt, für ein paar Stunden. Zwei Christen unserer Gemeinde waren am Wochenende dort gestorben, und so haben wir den verbliebenen Familien unser Beileid ausgesprochen und die frischen Gräber gesegnet.

Ansonsten ist die Stadt menschenleerer als zuvor. Und neue Seleka-Rebellen sind im Ort, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Sie beschlagnahmen weiter leer stehende Häuser und ziehen dort ein.

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Durchwühlte Zimmer in unserem Pfarrhaus

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Gott sei Dank – unsere Kirche ist nicht beschädigt worden. Aber in unser Pfarrhaus ist wieder eingebrochen worden, unter anderem in mein Zimmer und in das von Prince, unserem Diakon. Das Zimmer von P. Christ-Roi war nicht aufgebrochen worden. Heißt, dass es keine Seleka-Rebellen waren, die den Einbruch begangen haben, sondern Diebe aus unserem eigenen Umfeld, die wussten, dass der Pfarrer nach Bangui versetzt worden war und es in seinem Zimmer nichts mehr zu holen gab.

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Von Rebellen geplündertes und abgebranntes Haus

In das niedergebrannte Stadtviertel konnten wir gestern nicht gehen, aber auch in unserer Nachbarschaft wurden Häuser ein Raub der Flammen. Es reicht, dass jemand in unserem Mobaye das Gerücht verbreitet, ein So-und-So unterstütze vom Kongo aus die „Anti-Balakas“ – und die Seleka-Rebellen plündern sein leer stehendes Haus und zünden es an.

Aus Alindao erreichen uns ähnlich schlechte Nachrichten. Dort lebt die Bevölkerung, die zu Tausenden in einem Camp an der Kathedrale „wohnt“, in ständiger Furcht vor einem Großangriff der „Anti-Balaka“.

„Und was macht die Regierung in Bangui?“ – Diese Frage wird mir oft gestellt. Wenn der Präsident Touadera eine Eigenschaft verkörpert, dann ist es diese: Reiselust! Nach seinem langen USA-Besuch zur Vollversammlung der Vereinten Nationen ist er grad wieder unterwegs. In Russland. Es heisst, zur Geburtstagsparty von Putin. Währenddessen versinkt sein Land im Chaos.

Im französischen Fernsehen

Vorgestern war unser Provinzial, P. William, im französischen Fernsehen und konnte ausführlich über die aktuelle Lage in der Zentralafrikanischen Republik berichten. Auch wir in und aus Mobaye kommen zu Wort (und ins Bild). Für alle Freunde der französischen Sprache hier der Link:

http://www.ktotv.com/video/00179782/centrafrique-une-crise-qui-s-enlise

PS: Mit einigen von Euch war ich in letzter Zeit immer wieder über Whatsapp in Kontakt. Leider ist unsere Internetverbindung zu schwach, um den notwendigen upload durchzuführen, und deshalb funktioniert dieser Weg nun nicht mehr. Aber „messenger“, der chat-Dienst von facebook, klappt weiterhin gut.

Und immer wieder den Gott des Lebens feiern…

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„Und Gott sprach: Balle ich Wolken über Erde zusammen und erscheint der Bogen in den Wolken, dann gedenke ich des Bundes, der besteht zwischen mir und euch und allen Lebewesen…“  (Gen 9, 14f) – Regenbogen über Mobaye, gestern

Auch die vergangene Woche hat keine Veränderung der Lage in Mobaye und Umgebung gebracht. Die bewaffneten Gruppen stehen sich weiter kompromisslos gegenüber. Während die Seleka-Rebellen in Mobaye die letzten leer stehenden Häuser plündern – unter anderem auch wieder unser Pfarrhaus -, warten die Antibalaka-Kämpfer ab und versuchen, sich hier auf kongolesischer Seite unter den Flüchtlingen Geld und Munition zu beschaffen.

An einen kleinen Strohhalm Hoffnung klammern sich die Menschen dennoch. Und wir mit ihnen: Neue Präfekten sind ernannt worden (vielleicht am ehesten mit „Ministerpräsidenten“ der Bundesländer zu vergleichen). Der für die Basse-Kotto ist ein ranghoher Soldat. Und so erhoffen sich nun alle, dass mit ihm unabhängiges zentralafrikanisches Militär eintreffen wird, das beide Rebellen-Gruppen entwaffnet und ein gewisses Maß an Sicherheit wieder herstellt. Aber vielleicht sind unsere Erwartungen auch zu utopisch.

Und doch ist da weiterhin jene Hoffnung, die nicht zerbrechen kann wie ein Strohhalm: unser Gott, der das Leben will und nicht den Tod. Diesen Gott feiern wir hier jeden Tag und erinnern uns an jene große Verheißung, die uns allen zugesagt ist: „…und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offb 21,3f).

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Am vergangenen Freitag mit unseren Flüchtlingen in Ndjambe Bessembi, einem kongolesischen Dorf am Ubangi, in das sich viele unserer Christen von Gegenüber gerettet haben.

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Beim Gloria bleibt niemand mehr sitzen.
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Neben mir Prince, unser Diakon, und 2 Katechisten

 

 

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Die Dorfjugend

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Am Samstag in der Stadtkirche von Gbadolite. Die Vorabendmesse ist der einzige Gottesdienst in der Woche, den ich übernehmen kann, da er auf Französisch gefeiert wird. Alle anderen Gottesdienste am Sonntag und in der Woche sind auf Lingala.

 

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Der Einzug mit Tanz

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An Messdienern fehlt es nie.
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Auch hier: die Gabenprozession wird getanzt.

 

Am Sonntag in der Filialkirche von Mobaye-Mbongo (Kongo). Hier ist die Gemeinde bunt gemischt: drei Viertel Einheimische und ein Viertel geflohene Christen aus unserem Mobaye-Banga (ZAR). Hier kann ich auf Sango feiern.

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Die Kollekte wird noch während des Gottesdienstes von den Messdienern gezählt. Im Kongo gibt es übrigens keine Münzen, sondern nur Scheine. Die meisten Scheine im Korb sind an diesem Morgen 50-Francs-Scheine. Umgerechnet etwa 3 Cent.

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Gestern in Lembo Nda-Ngbangba. Hier haben viele unserer Christen aus Mafunga, Damba, Mbissouala und Zima 2 Zuflucht gefunden.

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Gelegenheit zur Beichte vor dem Gottesdienst

 

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„Wenn Ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…“ (Mt 18,3)

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In Ungewissheit

Die Lage in Mobaye bleibt unverändert.

Die Stadt ist weiter in den Händen der Seleka, aber an ihren Rändern setzen sich die „Anti-Balaka“ fest. Gestern habe die Seleka einen Gegenangriff auf einen Stützpunkt der „Anti-Balaka“ in sieben Kilometern Entfernung gestartet und dabei zahlreiche Gegenrebellen umgebracht. Heißt es.

Vor zehn Tagen waren wir ja noch dort gewesen, haben den Abschiedsgottesdienst mit P. Christ-Roi gefeiert. Zu der Zeit waren viele Stadtviertel schon zu Geisterstädten geworden: verlassene Häuser, die Türen von Dieben aufgebrochen, überall hohes Gras.

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Am Sonntagmittag hatten wir wieder in den Kongo übergesetzt; am nächsten Morgen griffen die Anti-Balaka an. Wären wir noch eine Nacht länger geblieben, säßen wir jetzt auch fest, so wie der verbliebene Rest der Bevölkerung in Mobaye. Die Rebellen lassen weiterhin niemanden mehr über den Fluss in den Kongo übersetzen und zwingen jetzt alle jungen Männer, sich der sogenannten „auto-defense“-Gruppe anzuschließen, einer Art bewaffneter Bürgerwehr, die Hand in Hand mit den Selekas agiert. Auch einige unserer Gemeindeglieder seien dort nun „rekrutiert“.

Am Donnerstagmorgen haben die Seleka viele Häuser in Mobaye angezündet. Ihre geflohenen Bewohner stehen auf der kongolesischen Seite des Flusses und müssen das ohnmächtig mit ansehen.

Am Freitag hat uns die Nachricht erreicht, dass in der Nacht Rebellen über den Ubangi gekommen seien und ein Dorf mit unseren Flüchtlingen auf kongolesischer Seite ausgeraubt hätten. Ein Polizist hat mir die Information am Samstagmorgen bestätigt. Erreicht der Krieg in Zentralafrika jetzt auch schon den Kongo?

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Und trotz allem sind da auch Zeichen der Hoffnung, jeden Tag.

Der kleine Lezzin ist einer der unzähligen Flüchtlingskinder im Kongo. Eine schwere Hirnhautentzündung hätte ihm fast das Leben gekostet. Im letzten Moment haben sich die Eltern auf den Weg ins Krankenhaus von Gbadolite gemacht. Und jetzt es ihm schon richtig gut, er hat wieder angefangen, seine Welt zu entdecken…

Auch das ging nur mit Eurer Unterstützung. Danke!

Angriff auf Mobaye

Liebe Freunde, zündet mal eine Kerze für unser Mobaye an.

Am Montagmorgen haben die Anti-Balakas, die Gegenrebellen, die Stadt angegriffen. Hier im Kongo wissen wir nichts Genaues, nur, dass die Attacke zunächst von den Seleka-Rebellen zurückgeschlagen worden ist. Aber unsere Leute, mit denen wir am Sonntag noch Gottesdienst gefeiert haben, und all die anderen, sitzen nun fest. Die Stadt ist umzingelt, und die Selekas lassen niemanden mehr über den Fluss in den Kongo fliehen. Angst und Ungewissheit…