Die Spannungen nehmen zu

In den letzten Tagen ist es immer wieder zu kleinen oder größeren Zwischenfällen in den Dörfern um Mobaye herum gekommen. Zwei desertierte Seleka-Rebellen haben auf Zivilisten geschossen und drei von ihnen schwer verwundet. Die Opfer sind mittlerweile im hiesigen Krankenhaus und warten auf eine Evakuierung nach Bangui. Der Präfekt tut, was er kann, selbst der Gesundheitsminister in Bangui ist eingeschaltet. Aber wieder einmal versagt die Blauhelmtruppe, die sich weigert, die Verletzten in ihren Hubschraubern mitzunehmen. (Die Hubschrauber landen zweimal wöchentlich in Mobaye, um die mauretanischen Soldaten mit Lebensmittel zu versorgen und fliegen dann leer wieder zurück.)

Gestern hat der Präfekt wieder eine Erweiterte Sicherheitsversammlung einberufen; dazu werden alle Dorfchefs der Umgebung eingeladen. Da unser Pfarrsaal der größte Raum in der Stadt ist, dient dieser jetzt häufiger politischen Krisensitzungen als kirchlichen Gruppenstunden.

Bild links: am Tisch der Präfekt, in der Mitte zwei Seleka-Rebellen, unter dem Kreuz der „General“ der „Anti-Balaka“-Milizen

Geheimnisvolle Zeichen vom Himmel in Mobaye

Es war am Freitagnachmittag, als nach dem Rosenkranzgebet unserer Legio Mariae drei Frauen zu mir kamen, um mir die neuesten Neuigkeiten aus der Stadt mitzuteilen.

Gott sende eine Botschaft an die Bevölkerung von Mobaye.

An einem Baum hinter der Präfektur löse sich nach und nach die Rinde ab. Darunter kämen dann immer wieder neue Schriftzeichen zum Vorschein. Arabische Buchstaben seien das. Nur die Muslime könnten sie lesen. Aber sie würden nicht sagen, was da steht. Die ganze Stadt habe sich schon auf den Weg gemacht, das „Wunder“ zu sehen…

„Nein, ich gehe da jetzt nicht hin“, habe ich mir gesagt. Erst einmal abwarten.

Am Samstagnachmittag wollte ich’s dann selber sehen. Und Fotos machen:

Na prima, da hatte ich meinen Predigtstoff für den Sonntag.

Zumal die Interpretationen wie Pilze aus dem Boden schossen. Erklärungen, die zu gefährlichen Manipulationen werden: Das sei eine Botschaft an die Muslime, dass Mobaye nicht ihre Stadt sei, und dass sie zu verschwinden hätten. Gott habe dies jemandem in einer protestantischen Kirche in einer Vision „geoffenbart“. Die Muslime sagten, das seien keine arabischen Schriftzeichen. Dann machten Behauptungen die Runde, das seien hebräische Buchstaben. Ein anderer meinte, das sei griechisch. Auch eine Menge unserer Leute schwankte zwischen Zweifel und Angst.

Ich habe in meiner Predigt heute Morgen die „geheimnisvollen“ Maserungen des Baumes an eine große Tafel gemalt, daneben den Beginn des griechischen, hebräischen und arabischen Alphabets. Um zu zeigen, dass die vermeintlichen „Zeichen vom Himmel“ einfach nur eine Laune der Natur und keine göttliche Unheilsbotschaft sind. Und dass wir das Ganze mit Humor nehmen können. Jetzt bin ich trotz allem gespannt, wie viel Restzweifel bleibt: „Und wenn Gott uns doch etwas sagen wollte…?“

Ja gut, aber dann dies: „Macht endlich Frieden in der Zentralafrikanischen Republik!“

 

Vom Versagen der Blauhelmsoldaten

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Hubschrauber der Blauhelmsoldaten über unserer Kirche

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Schützen sollen sie die Zivilbevölkerung. Und helfen, die staatliche Autorität wieder herzustellen in Gebieten, in denen Rebellen herrschen so wie bei uns.

Am vergangenen Mittwoch bin ich wieder Zeuge geworden, wie die mauretanischen UN-Soldaten ein widerlich falsches Theaterspiel inszenieren.

Ich kann es auf diesem Blog nicht oft genug in Erinnerung rufen: Wir leben in einem Gebiet totaler Anarchie. Du kannst hier einen Menschen töten,  ohne dass Du Konsequenzen zu fürchten hättest.

In den letzten Wochen erreichen uns aus den Dörfern immer wieder Meldungen von „Hexerei“, und es ist immer wieder dasselbe Schema: der scheinbar unerklärliche Tod einer Person (in den meisten Fällen eine unbehandelte Malaria) führt zu Misstrauen, Verdächtigungen, Verleumdungen. Irgendjemand erinnert sich dann, dass der Verstorbene kurz vor seinem Tod noch den einen oder anderen Namen gemurmelt habe, und schon sitzt die zumeist alte Frau oder der Mann auf der Anklagebank. Vor Ausbruch der Rebellion wurden diese Dinge vor dem „makunzi“ (Dorfchef) oder vor dem Gericht verhandelt. Heute nehmen die „Anti-Balaka“-Rebellen das Heft in die Hand.

Und so sind am vergangenen Freitag zwei Männer in Pengue, dem Dorf mit der Marienwallfahrtsstätte in ein paar Kilometer Entfernung von Mobaye brutal umgebracht worden. Ich erspare Euch die Einzelheiten.

Die beiden Opfer waren Katholiken, engagierte Mitglieder unserer Gemeinde in Pengue. Als ich von den Lynchmorden hörte, war ich wütend: die „Anti-Balakas“ hatten sechs Personen verhaftet und gefoltert; vier von ihnen waren in der Lage gewesen, sich freizukaufen, die zwei älteren Männer hatten nicht das geforderte Geld aufbringen können. Das hat ihnen das Leben gekostet…

Am Mittwoch habe ich mich auf den Weg nach Pengue gemacht. Ich wollte Gottesdienst feiern, nicht in der Kirche, sondern am Grab der beiden Getöteten. Um ein Zeichen zu setzen. Als der Präfekt von meiner Absicht hörte, hat er sich sofort entschlossen, mitzukommen. Auch um ein Zeichen zu setzen.

Vor Ort war die Lage sehr angespannt. Die „Anti-Balakas“ hatten ihr Lager am Haus des Dorfchefs eingerichtet. Als sie unser Auto kommen sahen, sind sie geflohen. Einer ist geblieben. Der Präfekt hat ihn verhaftet, mithilfe des einen zentralafrikanischen Soldaten, der immer an seiner Seite ist. Als Bodyguard.

In der Tat hat der festgenommene „Anti-Balaka“ einen der beiden Männer am vergangenen Freitag ermordet. Das haben die Dorfbewohner behauptet, und er selber hat es auch zugegeben.

Wir haben ihn in unserem Wagen mit nach Mobaye genommen. Die Idee des Präfekten war, ihn den Blauhelmsoldaten zu übergeben, damit diese ihn nach Bangui bringen, wo ihm der Prozess gemacht werden sollte.

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Der vorherige Oberst der mauretanischen Blauhelmsoldaten in Mobaye am Tag der Erklärung des Waffenstillstands. (Vom aktuellen Befehlshaber habe ich kein Foto.)

Der Präfekt geht den mauretanischen Hauptmann, den Chef der UN-Militärbasis suchen. Nach einiger Zeit kommen beide in die Präfektur, wo ich noch warte. Da erklärt mir der Präfekt, dass der Befehlshaber keinen Raum habe, um den Festgenommenen einzusperren. Der Hauptmann schlage deshalb vor, den „Anti-Balaka“-Kämpfer an die Seleka-Rebellen in der Stadt auszuliefern, damit diese ihn in Gewahrsam nehmen.

Als ich das gehört habe, habe ich jegliche „Diplomatie“ über Bord geworfen. Ich glaube, ich habe den Offizier richtig angeschrien: „Non! Non! Non!“ Wie könne er so etwas ernsthaft in Erwähnung ziehen? Die Selekas sind Rebellen, die unser Land zerstört haben. Er, als Vertreter der Vereinten Nationen, sei die einzige legitime Gewalt in der Stadt. Und er wolle jetzt einen Rebellen der verfeindeten Rebellengruppe ausliefern. Die Selekas würden ihn foltern und noch in derselben Nacht umbringen.

Der Hauptmann hat daraufhin klein beigegeben. Scheinbar. Er sagte, er werde seine Vorgesetzten in Bambari fragen.

Dabei ist es geblieben. Bis zum Abend hat er sich nicht mehr beim Präfekten gemeldet, geschweige denn, den Verhafteten in seine Obhut genommen. Als es dunkel wurde, war der Präfekt gezwungen, seinen Gefangenen freizulassen. Er hat ihn der Militärbasis der „Anti-Balakas“ in der Stadt überstellt.

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Symbolträchtiges Bild: Ein UNO-Soldat mit zwei Seleka-Rebellen am 4.Dezember 2017. Freunde unter sich…

Man muss sich einmal klar machen, was hier passiert ist: Der Vertreter der Weltgemeinschaft „Vereinte Nationen“ kollaboriert mit einer der beiden Rebellengruppen, die ich ohne Übertreibung als „Mörderbande“ bezeichnen kann, und hebelt den Präfekten, den legitimen Vertreter der Zentralafrikanischen Republik, aus. Die UN-Truppen tun nichts, aber auch gar nichts zur Sicherheit der Bevölkerung oder zur Stabilisierung des Landes. Hier in Mobaye sind sie einfach nur da und machen Geschäfte mit der einen Rebellengruppe, den Selekas. Sie scheitern auf ganzer Linie. Ist ihr totales Versagen 1994 in Ruanda keine Lehre gewesen?

Fortsetzung folgt

Pastoralarbeit in Zeiten von Rebellion und Gewalt

Was tun gegen die „Geister des Bösen“, die unsere Stadt, unser Land nicht zur Ruhe kommen lassen? – Ich predige oft von ihnen.  Sie, die die Herzen der Menschen zerstören, und damit alles, was Sinn macht im Leben. Viele auch unserer jungen Leute, die in der Kirche engagiert sind, haben sich aus Wut und Zorn über die Repressalien der Seleka-Rebellen der gewalttätigen Anti-Balaka-Bewegung angeschlossen, haben sich magischen Ritualen unterzogen, damit die Waffen der „Feinde“ ihnen nichts anhaben können. Haben sich von den „Geistern des Bösen“ verführen lassen.

Aus Opfern sind Täter geworden.

 

Wie viel zählt das Leben eines Menschen? – Mir scheint, viele unserer Leute müssen dies erst wieder entdecken: „Alle Menschen sind gleich.“ – „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

In Verkündigung und Caritas versuchen wir das als Kirche umzusetzen. In ganz ganz kleinen Schritten, auch wenn wir immer wieder von neuen Gewaltexzessen hören, die unser Tun dann sinnlos erscheinen lassen.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Die nächstbeste Zeit ist jetzt.“

Deshalb organisieren wir in der Pfarrei fast jedes Wochenende Treffen und Camps von verschiedenen Gruppen: Pfadfinder, Jugendverbände, Chormitglieder, Katecheten usw. Wir möchten möglichst viele unserer Christen aus den verschiedenen Dorfkapellen hier bei uns versammeln, zum gemeinsamen Beten, Arbeiten und Lernen. Immer steht an solchen Tagen auch eine Aussprache über die aktuelle militärisch-politische Lage auf dem Programm. Und wir erklären, warum die Kirche auf Dialog auch mit den Seleka-Rebellen setzt, und die Gegenbewegung der „Anti-Balaka“ NICHT unterstützt. Und warum der Weg der Rache niemals ein Weg ist, den ein Christ gehen kann.

Wenn ich darüber spreche, dann sitzen vor mir eine Reihe von „Anti-Balakas“. Ich weiß, dass einige von ihnen auch an Kämpfen beteiligt waren. Bleibt nur zu hoffen, dass sich für einen jeden von ihnen der Weg öffnet, der aus dem Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt herausführt.

Ein Kardinal in Mobaye

Hohen Besuch haben wir Mitte April bei uns in Mobaye begrüßen dürfen: den Erzbischof von Bangui, Dieudonné Kardinal Nzapalainga, und den Präsidenten der muslimischen Gemeinschaft der Zentralafrikanischen Republik, Imam Kobine Lamaya. Beide sind Zentralfiguren der „Interreligiösen Plattform“ von Bangui, eines runden Tisches von Christen und Muslimen, die sich seit Ausbruch der Rebellion vor fünf Jahren für Frieden und Versöhnung im Lande einsetzen. Dabei machen sie vor allem eines deutlich: dass der Krieg in der Zentralafrikanischen Republik KEIN Krieg der Religionen ist, dass, im Gegenteil, Christentum und Islam das Potenzial haben, das Fundament eines friedvollen Zusammenlebens aller Menschen im Land zu bilden.

Das Programm war dicht gedrängt: zahlreiche Begegnungen mit den staatlichen Autoritäten und den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen der Stadt, aber auch der feierliche Gottesdienst am Morgen (um 6 h 30!) und die zentrale Abschlusskundgebung in der Stadtmitte.

Etwas aufgeregt war ich schon, denn da die zehnköpfige Delegation bei uns übernachtete und verpflegt wurde – das bedeutete, knapp 100 Leute zu verköstigen… -, waren wir für die gesamte Logistik zuständig.CIMG0034

(Und das in einer Stadt, in der wir nirgends einen Korkenzieher auftreiben konnten. Ich hatte im Februar 6 Weinflaschen aus Bangui mitgebracht, die wir unseren Gästen anbieten wollten. Aber wie? – Mittlerweile kriegen wir die Flaschen auch mit einem Schraubenzieher auf!)

Zudem wäre ich als Pfarrer sicher noch aufgeregter gewesen, wenn ich den Kardinal nicht schon vorher kennengelernt hätte – aber glücklicherweise ist Dieudonné auch Spiritaner, wir kennen uns seit meiner Zeit als Missionar auf Zeit in Alindao und duzen uns.

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von links nach rechts: die muslimische und die katholische Vertreterin der Interreligiösen Plattform von Bangui; Prince, unser Diakon; der Bürgermeister von Alindao; Imam Kobine, Kardinal Nzapalainga; der Präfekt der Basse-Kotto; der Unter-Präfekt von Mobaye; ich; der Sprecher des Kardinals, ein ehemaliger Anti-Balaka-Kämpfer; der evangelische Pastor von Mobaye; zwei Vertreter der muslimischen Gemeinde von Mobaye; der Imam von Mobaye (beim Gebet)

Der Besuch der interreligiösen Plattform war ein großartiges Ereignis, das uns allen viel Mut gemacht hat. Und Hoffnung auf weitere kleine Wunder des Friedens in Mobaye, in unserer Basse-Kotto und in der ganzen Zentralafrikanischen Republik.

 

 

Alindao

Vor fast einem Jahr war ich das letzte Mal in Alindao gewesen. Dann kam der Krieg, der Mord an fast 200 Menschen innerhalb von drei Tagen in Alindao.

Seit unserer definitiven Rückkehr nach Mobaye Anfang Dezember hatte sich noch nicht die Möglichkeit geboten, wieder in unsere Bischofsstadt zu kommen. Am vergangenen Wochenende haben wir uns auf den Weg gemacht. Offizieller Anlass war die Diakonenweihe von Stéphane, einem Seminaristen der Diözese. Gleichzeitig wollten wir aber auch den Weg „austesten“, vor allem die Reaktion der verfeindeten Rebellengruppen. Die drei großen Orte auf dem Weg (Langandji, Kongbo und Pavika – für die unter Euch, die die Basse-Kotto kennen) sind fest in der Hand der Seleka-Rebellen, der Rest, die unzähligen Dörfer am Straßenrand sind beherrscht von Anti-Balaka-Milizen.

Mit drei Autos und einer ganzen Delegation der Stadt haben wir uns auf den Weg gemacht, zusammen mit dem Präfekten, zwei Unter-Präfekten, zwei Beamten, dem Arzt des Gesundheitsbezirks und zwei Mitarbeitern einer lokalen Nicht-Regierungsorganisation.

Und wir haben gespürt: Wir sind noch sehr weit vom Frieden entfernt…

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So sehen die Dörfer entlang der Straße aus: zerstört, abgebrannt, die Bewohner geflohen…

In zwei Orten, in denen wir angehalten und mit den Anti-Balaka-Kämpfern gesprochen haben, schlug dem Präfekten viel Skepsis, zuweilen sogar Ablehnung von Seiten der Gegenrebellen entgegen: Welche Sicherheit könne er denn geben, wenn sie, die Anti-Balaka-Kämpfer, das heißt die jungen Männer aus den Dörfern ihre Waffen niederlegten und die Straßensperren aufheben würden? Weiterhin gibt es keine Armee, keine Gendarmerie, keine Polizei in der ganzen Basse-Kotto. Weiterhin gilt das „Gesetz des Stärkeren“, „la Loi de la jungle“. Weiterhin hören wir von Morden, verübt von den Seleka-Rebellen. Sie haben ja Recht, die zornigen Bewohner.

Aber sie sind auch keine hehre Widerstandsbewegung. Wie ich schon in einem früheren Eintrag geschrieben habe, unterziehen sie sich alle der Schwarzen Magie. Und auch sie können zu Wegelagerern und Dieben werden, die die eigene Bevölkerung drangsalieren. Einmal den mörderischen Kreislauf von Gewalt, Hass und Misstrauen in Gang gesetzt, lässt er sich nur ganz ganz schwer unterbrechen.

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Anti-Balaka-Milizen überall…
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Straßensperren der Anti-Balaka-Kämpfer…

Diejenigen unter Euch, die Alindao und seine Herz-Jesu-Kathedrale schon einmal besucht haben, werden den Ort heute nur schwer wiedererkennen:

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Um die Kirche herum ist ein riesiges Flüchtlingslager entstanden. 23000 bis 25000 Menschen leben dort, im Schatten von Bischof und Blauhelm-Soldaten aus Burundi. Letztere sind so ganz anders als die UNO-Truppe aus Mauretanien bei uns in Mobaye. Die ostafrikanischen Soldaten sind uns auf halber Strecke entgegengekommen und haben uns auf der Rückfahrt bis nach Mobaye begleitet. Die Soldaten aus Mauretanien dagegen tun nichts zum Schutze der Bevölkerung oder zur Unterstützung der hiesigen staatlichen Autorität. Außer dass sie dem Präfekten Diesel-Treibstoff zur Verfügung stellen.

Gefeiert haben wir trotzdem: Stéphane ist jetzt Diakon!

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Eine Gerichtsverhandlung unter freiem Himmel

Nach intensiven Kar- und Ostertagen mit langen Liturgien (drei Stunden am Karfreitag, dreieinhalb Stunden in der Osternacht) hat uns der Alltag in der Basse-Kotto rasch wieder eingeholt: angespannte Stimmung, Misstrauen zwischen den beiden verfeindeten Rebellengruppen. Am Donnerstag der Woche nach Ostern wollte ich in einer unserer Außenstationen nahe Mobaye Gottesdienst feiern. Unser Präfekt war mit dabei.

Als wir an der kleinen Kapelle des Ort namens Mbissoula ankommen, muss ich feststellen, dass nur der Katechist und ein älterer Mann auf uns warten. Seltsam. Die Leute bleiben daheim? – Kurz darauf erklärt uns der Katechist die Situation:  Gestern haben die Anti-Balaka-Milizen des Ortes eine Frau festgenommen, bedroht und geschlagen. Hexerei soll sie betrieben haben und Schuld am Tod eines kleinen Babys sein. Es ist immer dasselbe: Ein kleines Kind fiebert plötzlich hoch auf, erbricht, Durchfall. Klingt nach Malaria. Ein rascher Transport in einen nächsten Gesundheitsposten, der halbwegs mit ein paar Medikamenten ausgestattet ist (in Zeiten von Rebellion und Bürgerkrieg sind die jedoch höchst selten!) kann da Leben retten. Aber nein, jemand „weiß“ es besser: das ist Schadenszauber, schwarze Magie. Und man hat auch schon die Schuldige gefunden: eine junge Mutter. Und so müssen wir den Gottesdient erst einmal verschieben und gehen die paar Schritte an die Straßensperre der Anti-Balakas. Dort finden wir die Frau.

Das Palaver beginnt. Gericht wird gehalten.

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Nach einer halben Stunde Diskussion hin und her setzt sich der Präfekt durch. Er verspricht, die Frau mitzunehmen und in ihr Heimatdorf in ca. 15 Kilometer Entfernung zu bringen. So rettet er das Leben der Frau und die Dorfbewohner sind die „gefährlich Frau“ los.

Mit einer Stunde Verspätung können wir dann doch Messe feiern. Gott sei Dank.