Nilpferde, Teil 2

Wer war schuld am Tod von Levy?

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Wie gesagt, in allen Artikeln über das Verhalten von Nilpferden ist davon die Rede, dass es sich dabei um höchst aggressive Tiere handelt, und es scheint so zu sein, dass sie selbst auch ohne für uns erkennbaren Grund Menschen angreifen.

Aber mit einer solchen Erklärung, die natürlich Fragen offen lässt, gibt sich hier niemand zufrieden. Und so kommt jetzt die „unsichtbare Welt“ ins Spiel.

Zwei junge Männer, die Zeugen des Angriffs waren, hatten nämlich noch mehr zu berichten: dass Levy, als sie ihn ins Krankenhaus brachten, immer wieder den Namen seiner Frau ausgesprochen und sie beschuldigt habe: „Sie bringt mich um.“

Noch während Levy in Behandlung war, regte sich erster Unmut gegen die junge Mutter von drei kleinen Kindern. Tatsächlich war es zu Streit zwischen beiden am Vortag gekommen, irgendwie „hing der Haussegen schief“. Als Levy schließlich starb, war seiner Familie klar: Durch ein magisches Ritual hatte seine Frau das gefährliche Tier auf ihn gehetzt. In die Trauer mischte sich nun rasende Wut.

Als der Leichnam aufgebahrt war und ich wieder Richtung Krankenhaus zurückfuhr, hatte die junge Witwe mit ihren drei kleinen Kindern auch schon Zuflucht bei der Präfektin gesucht. Sie hatte Todesangst. Nur allzu gut wusste sie, dass man sie noch am selben Abend umbringen könnte. Auch die Blauhelmsoldaten waren schon zur Stelle. In ihrer Begleitung sind wir mit der Präfektin und der jungen Frau nochmals zum Trauerhaus gefahren. Es dauerte nicht lange, da flog auch schon der erste Stein. Einer von Levys Cousins wollte seine Schwägerin erschlagen. Die Blauhelmsoldaten haben den jungen Mann verhaftet. Unter Militärschutz sind wir wieder zurückgefahren, die Frau sollte die Nacht in der Kaserne der Minusca-Soldaten verbringen.

Am nächsten Morgen fand in unserer Kirche der Trauergottesdienst statt, aus Sicherheitsgründen war die Witwe nicht dabei. In der Predigt habe ich natürlich von der Hoffnung auf Auferstehung und Vollendung gesprochen; vor allem aber auch darüber, dass Gewalt keine Antwort auf den so sinnlos erscheinenden Tod von Levy sein darf! Ich glaube, dass unsere Liturgie die Herzen der Trauernden etwas beruhigen konnte.

Auch wenn Levys Mutter heute immer noch nicht von der Unschuld ihrer Schwiegertochter überzeugt zu sein scheint, hat sein Vater doch eine Lanze für die junge Frau gebrochen und erklärt, dass er davon überzeugt sei, dass sie nicht für den Tod seines Sohnes verantwortlich sei. Jetzt gehe es einfach nur darum, den Kindern eine gute Zukunft zu verschaffen.

 

 

 

 

 


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