Zur aktuellen Lage in Mobaye

Die militärisch-politische Lage daheim in Mobaye entspannt sich weiter. Das hilft und ermöglicht Planungen für die Zukunft.

Vor einigen Wochen schon ist das Kontingent der Blauhelm-Soldaten komplett ausgewechselt worden. Die Truppe aus Mauretanien hat die Stadt verlassen, ein Bataillon aus Gabun hat sie ersetzt. Gott sei Dank. Die Komplizenschaft zwischen mauretanischen Soldaten und Seleka-Milizen war nie ein Geheimnis gewesen; bis heute tragen einige Rebellen Uniformen der „Soldaten der Friedensmission“ aus dem westafrikanischen Land.

Auch ein Teil der Seleka-Truppe hat die Stadt verlassen und ist durch Waffenbrüder derselben Fraktion UPC ersetzt worden. Ihre Straßensperren haben sie mittlerweile größtenteils geräumt, Wegezoll erheben sie kaum noch, allerdings sprechen sie weiter „Recht“ in der Stadt, will heißen sie verurteilen in Absprache mit den staatlichen Autoritäten Täter von Kleindelikten, stecken sie in ihre Dunkelkammer und kassieren die Strafen. Nur reicht das nicht aus, um vierzig bis fünfzig junge Männer mit Lebensmitteln, Zigaretten und Ausrüstung zu versorgen. „Woher bekommen sie ihre Rationen?“, fragen wir uns. Vorher haben sie hemmungslos geraubt und gestohlen, jetzt nicht mehr. Wie bestreiten sie ihren Unterhalt?

Ihr oberster Befehlshaber, Ali Darassa, ist vor einigen Monaten zum Regierungsberater ernannt worden (siehe Blogeintrag vom 3. April diesen Jahres). Hinter vorgehaltener Hand heißt es seitdem, dass die Regierung sie bezahle. Damit sie stillhielten…

Die Gegenmilizen, die sogenannten Anti-Balakas, haben an Macht und Einfluss verloren. Ihre Militärbasis besteht zwar noch weiterhin in unserer Stadt, aber politische Ziele verfolgen die Gegenrebellen längst nicht mehr. Die meisten von ihnen haben ihre zusammengebastelten Gewehre mittlerweile im Haus versteckt und gehen auf ihren Feldern arbeiten. Das ist gut so. Aber ein kleiner Teil bleibt Rebell, das heißt wird Bandit und Dieb.

Diese relative Ruhe in und um Mobaye hat zur Folge, dass nun wieder, wenn auch zaghaft, mehrere Nicht-Regierungs-Organisationen den Weg nach Mobaye finden. Eine kleine „Maschinerie der humanitären Hilfe“ scheint langsam anzulaufen, mit all ihren guten Seiten für die notleidende Bevölkerung – aber auch mit viel Chaos, Konkurrenz und Korruption.

Doch das ist eine andere Geschichte, von der ich in einem späteren Blogeintrag berichten möchte…

 

 

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