Der kleine Jean

Ich habe hin- und her überlegt, ob ich dieses Foto auf unserem Blog veröffentlichen soll. Aber ich glaube, es ist nicht falsch.

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Der fünfjährige Junge heißt Jean und lebt mit seiner Familie in Langandji, einer großen Außenstation unserer Gemeinde, 22 Kilometer von Mobaye entfernt.

Am Sonntag nach der Messe, die Bischof Cyr-Nestor in eben jener Kapellengemeinde gefeiert hatte, kam sein Vater Kossi auf mich zu. Das sei sein Sohn  Jean, und er wisse nicht mehr, was er noch tun solle.

Während meiner drei Jahre als Missionar-auf-Zeit in Alindao war ich einem ähnlichen Fall begegnet. Da war der bösartige Augentumor bei einem kleinen Mädchen aber noch weiter fortgeschritten und hatte schon Metastasen abgesiedelt. Damals hatte ich ein ähnliches Foto gemacht und zwei Augenärzte in Deutschland per E-Mail um Rat gefragt. Ich lernte, dass man unter den hiesigen Umständen nicht mehr heilend eingreifen, sondern die kleine Patientin nur noch palliativ begleiten könne. Das haben wir getan, ein französischer Chirurg hatte uns Morphin mitgebracht. Einige Wochen später war Chancela gestorben, ohne viel Schmerzen.

Unbehandelt steht Jean dasselbe Schicksal bevor. Ein Retinoblastom ist ein Tumor der Netzhaut, der sich am häufigsten bei Kindern im Alter von einem bis fünf Jahren manifestiert. Die Prognose ist im fortgeschrittenen Stadium nicht günstig.

Seit Dienstag sind wir in Bangui, mit seinem Vater. Am Mittwoch schon war Jean beim Augenarzt, zur Echographie und schließlich beim wohl einzigen Arzt im ganzen Land, der sich mit Krebserkrankungen bei Kindern auskennt. Seit vorgestern ist Jean stationär aufgenommen, und zwar genau in jenem Kinderkrankenhaus, in das ich vor einem Jahr auch den kleinen Fabien gebracht hatte. Vielleicht erinnert Ihr Euch an den Blogeintrag. Leider war der Junge mit dem Burkitt-Lymphom später während einer Chemotherapie gestorben.

Aber auch für Jean gibt es nur noch diesen einen Strohhalm Hoffnung. Also will der Arzt es versuchen. Ab Montag wird unser kleiner Patient drei Tage lang eine Chemotherapie bekommen, unter der das kranke Auge schrumpfen soll. In zwei Wochen soll es operativ entfernt werden, danach wartet eine zweite Chemotherapie auf ihn.

Die Behandlung im Krankenhaus ist völlig kostenlos, ein italienischer Verein stellt die Medikamente gratis zur Verfügung. All das ist weiterhin der Initiative von Papst Franziskus zu verdanken, der das Krankenhaus im Jahre 2015 besucht hatte.

Allerdings sind nur jene Medikamente frei erhältlich, die als Spenden direkt an die Krankenhausapotheke geliefert werden. Was fehlt, muss vom Patienten selbst besorgt werden.

Von den drei Chemotherapeutika, die Jean braucht, sind zwei vorhanden, das dritte Medikament Carboplatin dagegen nicht. Deshalb bin ich gestern die großen Apotheken der Stadt abgelaufen. In der fünften hatte ich Glück: dort können sie Krebsmedikamente aus Kamerun importieren. Zu horrenden Preisen. Jean braucht drei Ampullen Carboplatin, eine kostet 130.000 FCFA, das sind in etwa 195 Euro. Macht 585 Euro.

Macht es Sinn, eine solche Summe für ein einziges Kind auszugeben, in einem Land, in dem jeden Tag etliche Kinder an Malaria und anderen Infektionskrankheiten sterben, an denen sie nicht zu sterben bräuchten, wenn die Eltern die Medikamente im Wert von 3 bis 5 Euro kaufen könnten?

Und zudem vermag niemand vorauszusagen, ob die Therapie bei Jean wirklich erfolgreich sein wird.

Ich kaufe das Carboplatin jetzt trotzdem. Mit Euren Spendengeldern.

Und vielleicht findet Ihr ja auch einen kleinen Moment, um an Jean im Gebet zu denken und eine Kerze für ihn anzuzünden. Und für all die anderen Kinder, die mit ihm jetzt im Krankenhaus sind.

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