Spuren des Krieges

Im vergangenen Jahr hatte ich in diesem Blog von dem kleinen Isidore geschrieben, der Opfer eines Angriffs von Seleka-Rebellen geworden war. Nach etlichen Wochen hatte man ihm bei einem kleinen chirurgischen Eingriff die Kugel aus seinem Oberschenkel entfernen können.

Noch mehr Glück im Unglück hatte Papa Michel gehabt. Zwei „desertierte“ Seleka-Rebellen hatten aus heiterem Himmel auf ihn geschossen. Die Kugel durchschlug seinen Unterkiefer und blieb im Halsbereich stecken. Dank der Bemühungen des früheren Präfekten Gallo war der Verletzte mit einem Kleinflugzeug nach Bangui evakuiert und dort kostenfrei in einer Klinik von „Ärzte ohne Grenzen“ behandelt worden. Die Kugel hat man ihm jedoch nicht herausoperieren können. Zu riskant sei ein solcher Eingriff hier, das ginge nur in Frankreich.

Und so wartet Michel schon seit Monaten darauf, dass man ihn wieder nach Bangui einbestellt.

Das Röntgenbild aus der Klinik in Bangui habe ich gegen das Tageslicht gehalten, deshalb scheinen die dahinterliegenden Bäume durch. Unten-Mitte im Bild: die Kugel in Höhe des Halswirbelbereiches. Von außen ist sie deutlich tastbar.

Die Spuren des Krieges sind nicht immer so deutlich erkennbar wie bei Michel. Oft sind äußerliche Wunden verheilt, aber die Verletzungen in der Seele der Menschen bleiben. Eine gewaltige Trauer- und Traumaarbeit liegt vor diesem Land. Aber das ist eine andere Geschichte.

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