Wien auf Platz 1, Bangui auf Platz 230 (von 231)

Beim Lesen der Nachrichten der letzten Tage im Internet bin ich auf die neue Ranking-Liste des Beratungsunternehmen „Mercer“ gestoßen, das die Lebensqualität in den großen Städten dieser Welt beurteilt. Seit 10 Jahren verteidigt Wien seinen ersten Platz. Unsere Hauptstadt Bangui landet auf Platz 230. Nur in einer Stadt sei die Lebensqualität geringer: in Bagdad (Platz 231 und gleichzeitig Schlusslicht). Selbst in Sanaa, der Hauptstadt des Jemen (Platz 229), lebe es sich „besser“… (siehe: https://www.dw.com/de/ranking-wien-bleibt-stadt-mit-der-weltweit-h%C3%B6chsten-lebensqualit%C3%A4t/a-43045890).

IMG_20161009_174017 2Ich komme ins Grübeln… Im Vergleich zu unserem Mobaye und den Dörfern der Basse-Kotto ist das hier ein „Paradies“. Es gibt Strom, Geschäfte, unzählige Straßenbars, Internet, Telefon rund um die Uhr.

Aber natürlich nur für den, der die Mittel hat.

Krankenhäuser sind in einem desolaten Zustand, die staatlichen Schulen reichen nicht aus und sind zerfressen von Korruption, sauberes Trinkwasser aus den Brunnen im Viertel muss man kaufen. Und dann die Frage der Sicherheit. Die Regierung steht auf wackligen Beinen, manche Stadtviertel sind ein Pulverfass.

All das ist Bangui. Und mittendrin: die vibrierenden Kirchen, die geschichtsträchtige katholische, aber auch die vielen (lauten) evangelischen und evangelikalen.

„Lebensqualität“ ist eben nicht objektiv erfassbar.

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von links nach rechts: Annette (AGEH-Fachkraft), Abiba (Ökonomin der Diözese von Alindao), Eric (einer der beiden neugeweihten Diakone der Diözese von Alindao) und P. Prince (den kennt Ihr ja schon aus Mobaye)

Und als Nachtrag die Worte eines afrikanischen Kommentators ( siehe https://mondafrique.com/avant-bagdad-bangui-est-la-ville-offrant-la-moins-bonne-qualite-de-vie/). Sarkastisch, aber ebenso realistisch :

„Wenn schon Bangui so schlecht bewertet wird, dann lässt sich die dramatische Situation der Bevölkerung außerhalb der Hauptstadt nur erahnen. Dagegen könnte diese neue Mercer-Untersuchung für das auswärtige Personal, die Experten, die Blauhelme und die Diplomaten vor Ort eine willkommene Gelegenheit sein, eine erneute Erhöhung ihrer Zulagen zu fordern.“

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