Eine Friedenswallfahrt

Am vorvergangenen Wochenende haben wir es gewagt, unsere Wallfahrt nach Pengue. Pengue, das ist der Ort in ca. 10 Kilometer Entfernung von Mobaye, in dem der Verstorbene Spiritaner Piet de Groot vor 20 Jahren begonnen hatte, eine Wallfahrtsstätte zu errichten. Jedes Jahr – zu Friedenszeiten – fand dort ein großes Treffen auf Diözesanebene statt. Seit dem blutigen Wiederaufflammen der Rebellion im Mai 2017 war das nicht mehr möglich gewesen, und das Dorf sowie die Wallfahrtstätte haben unter dem Wüten der Seleka-Rebellen arg gelitten.

Aber aus eigener Kraft, mit Beteiligung vieler Kapellengemeinden haben wir innerhalb von zwei Monaten den Ort halbwegs wieder hergerichtet und unsere Wallfahrt auf Pfarreiebene gefeiert. Natürlich sind aus Angst etliche Christen ferngeblieben, vor allem die, die in weit entfernten Dörfern am Fluss leben. Aber es wurde trotzdem ein Erfolg. Wir haben unser neues Pastoraljahr eröffnet und es in die Hände von „Mama Marie, wali ti amara kwe“ gelegt – „Maria, Frau aller Völker“, so der Name des Ortes.

Seit Donnerstag bin ich nun wieder in Bangui und warte auf meinen Flieger am Mittwoch, der mich nach zwei Jahren auf einen ersten Heimatbesuch bringen soll. Ich freue mich, habe aber auch ein ungutes Gefühl im Bauch. Am Montagnachmittag sind wieder Schüsse gefallen in Mobaye. Einige Seleka-Rebellen, die mit einem neu geschlossenen „Friedensvertrag“ nicht einverstanden waren, haben den Stützpunkt der „Anti-Balakas“ mitten in der Stadt angegriffen und die Gegenrebellen vertrieben. Wie die nächsten Tage aussehen werden (Rache, neue Verhandlungen?), wir wissen es nicht. Die Menschen in der Basse-Kotto bleiben den Rebellen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die Blauhelmsoldaten sind in ihrer Kaserne geblieben, als im Ort scharf geschossen wurde. Von ihnen ist keinerlei Schutz für die Bevölkerung zu erhoffen. Die Regierung in Bangui wechselt den Präfekten aus und schickt eine pensionierte Schuldirektorin. Der Präsident treibt sich in Armenien auf dem sogenannten  „Frankophonie-Gipfel“ herum. Touadera fliegt nach Eriwan, um über die Zukunft der französischen Sprache auf der Welt nachzudenken und dem armenischen Volk „Guten Tag“ zu sagen. Währenddessen krepieren seine eigenen Landsleute unter dem Joch von Rebellen, die er aushebeln könnte, es aber nicht tut. Nicht die Mittel fehlen, sondern der politische Wille. Kriegsgewinnler tummeln sich bis in die Spitzenposten der zentralafrikanischen Regierung hinein.

 

 

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