Tabaski

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Beim Gebet vor der Moschee von Mobaye

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Am 21. August feierten Muslime in der ganzen Welt « Tabaski » – das islamische « Opferfest ». Sie erinnern an den Propheten Ibrahim, der auf Gottes Weisung hin seinen erstgeborenen Sohn Ismael opfern soll. Doch im letzten Augenblick verhindert der allbarmherzige Gott das Menschenopfer. Stattdessen schlachtet Ibrahim einen Widder. In der Sure 37 des Koran heißt es dazu: Als sie (Ibrahim und Ismael) sich beide (Gottes Willen) ergeben hatten und er ihn mit der Stirn auf den Boden hingelegt hatte, da riefen wir ihn an: ‚Abraham, du hast den Traum erfüllt. […]‘ Dies ist in der Tat eine deutliche Prüfung. Und wir lösten ihn durch ein gewaltiges Schlachtopfer aus.“ (Sure 37,103-107). Juden und Christen kennen eine ähnliche Erzählung aus der Bibel. Im Buch Genesis ist es derselbe Abraham, der jedoch seinen zweitgeborenen Sohn Isaak als Opfer darbringen soll: „Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu und sagte: […] Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide!“ (Gen 22, 11f).

Auch die Muslime von Mobaye feierten das Fest und luden staatliche und religiöse Vertreter der Stadt zum Gottesdienst ein. Die Moschee von Mobaye ist zu klein, um alle Gläubigen zu fassen. Deshalb fand das Gebet vor dem Gotteshaus statt. Wir nicht-muslimischen Gäste nahmen auf Stühlen Platz, hinter dem Imam, mit Blick auf die Gemeinde. Es hätte ein gutes interreligiöses Ereignis werden können – wenn unsere Stadt nicht in der Hand von „halbstarken“ Seleka-Rebellen wäre.

Die jungen Männer, die offensichtlich Langeweile und nicht zu tun hatten, begannen während der Predigt des Imams an verschiedenen Orten mit ihren Kalaschnikows „rumzuballern“: auf dem Markt, in ihrem Stützpunkt, um die Moschee herum. Kinder laufen ziellos davon, die Marktfrauen ramschen ihre Ware zusammen und fliehen. „Keine Aufregung, alles unter Kontrolle“, versichern uns die Rebellen – und die mauritanischen Blauhelmsoldaten. Das seien alles Freudenschüsse aus Anlass des Festes…

Was für eine absurde und gefährliche Idiotie, die sich da vor unseren Augen abspielt: In einem hochangespannten Gebiet mit scharf geladenen automatischen Waffen „aus Spaß“ in die Luft zu schießen… dass es keine Verletzten oder gar Tote gegeben hat ist ein Wunder.

Wir sind einfach sitzen geblieben, der Imam hat weiter Koranverse zitiert. Anschließend gab es Protestnoten von Seiten der Stadt, und die Anti-Balaka-Milizen haben einen Tag lang die zwei Zufahrtswege in die Stadt gesperrt.

Aber ansonsten: alles „normal“ in Mobaye und dem Rest der Zentralafrikanischen Republik.

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