Das Drama der Mbororos, Teil 2

Was tun? – Essen kaufen und verteilen? Jeden Tag?

„Gutes tun“ ist in diesen Tagen in der Zentralafrikanischen Republik immer hochpolitisch, weil parteiisch.

Irgendwann haben wir in einem unserer Caritas-Treffen die Not der Mbororos zur Sprache gebracht. Mit Geld aus unserer örtlichen Caritas-Kasse haben wir Maniok, Zucker, Salz und Seife gekauft. Den Imam von Mobaye habe ich gebeten, uns eine Liste der Mbororo-Familien zu erstellen, die zu der Zeit gerade in Mobaye lebten und vom Hungertod bedroht waren.

An einem Samstagvormittag haben wir die Familienoberhäupter von ca. 30 Großfamilien in unseren Pfarrsaal eingeladen und das kleine Lebensmittelpaket mit einigen Kleiderspenden, die wir aus Bangui erhalten haben, überreicht.

Was mussten sich unsere Caritas-Mitarbeiter in den Tagen danach nicht alles anhören, in ihrem Stadtviertel, auf dem Markt, auf den Feldern? – „Die Caritas und ihre Priester – heute geben sie den Mbororos Nahrung, und wenn diese wieder zu Kräften gekommen sind, bringen sie uns alle um. Und die Christen bekommen von dem Kuchen nichts ab.“ Niemand hat sich getraut, mir persönlich einen solchen Vorwurf zu machen. Irgendwo spürt dann wohl doch jeder Christ, dass diese Haltung nicht ganz so christlich ist. Aber böse Worte  machten die Runde, und so war ich gezwungen, in einer Sonntagspredigt dieses Problem auf den Tisch zu bringen:

Samaritain
(c) Jésus Mafa

„Der Gesetzeslehrer wollte sich rechtfertigen und sagte zu Jesus: Und wer ist mein Nächster? Darauf antwortete ihm Jesus: Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und wurde von Räubern überfallen…“ (Lk 10,29f). Ich glaube, nicht alle haben sich vom Beispiel des „Barmherzigen Samariters“ überzeugen lassen, dass es gerade „der Andere“ ist, der „mein Nächster“ sein soll… Aber natürlich sehe ich auch die Position der Verärgerten: Das Haus niedergebrannt, alles verloren, gelitten auf der Flucht in den Kongo oder in den Busch – und dann bekommen „die Anderen“ Hilfe. Da macht die eigene Not blind und wütend zugleich.

Deshalb helfen wir im Stillen. Jeden Tag kommen Mbororos zu uns, vor allem Kinder. Viele sind unterernährt. Maurice, unser Koch, gibt ihnen zu essen, ganz diskret, hinter’m Haus. Ich weiß, dass das keine Lösung ist…

Wendet man sich an die staatlichen Stellen, erhält man ein Achselzucken, die Nichtregierungsorganisationen schicken Fotos nach Bangui und nichts passiert, die Blauhelmsoldaten verteilen ihre Essensreste unter den Kindern (das ist immer noch besser als Munition und Kalaschnikows unter die Seleka-Rebellen zu bringen, was sie sonst nämlich immer gerne tun).

Und so machen auch wir irgendwie weiter, in diesem Land, das seinen „warlords“ – seinen Kriegsherren weiter auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist. Auch wenn uns die Phantom-Regierung in Bangui versichert, dass alles unter Kontrolle sei. Nichts ist bei uns in der Basse-Kotto unter Kontrolle. Und die Schwächsten der Zivilbevölkerung leiden zuerst.

 

 

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