Einsetzung der neuen Unter-Präfektin in Zangba

Der neue Präfekt der Basse-Kotto, von dessen Ankunft ich vor kurzer Zeit schrieb, hat seine Arbeit aufgenommen: Die Bevölkerung treffen, Vertreter verschiedenster Gruppen der Gesellschaft empfangen, mithilfe von Nichtregierungsorganisationen den Gesundheits- und Schulsektor wieder aufrichten und vor allem: die verschiedenen militärischen Akteure regelmäßig einberufen und an einen runden Tisch setzen: Seleka-Rebellen, Anti-Balaka-Kämpfer und mauretanische Blauhelmsoldaten. Leicht hat er es nicht… Die entscheidende Frage ist schließlich, ob die bewaffneten Rebellengruppen die staatliche Autorität aus Bangui anerkennen oder nicht. Bislang scheinen sie ihn zu respektieren – ohne allerdings auf ihr Gewaltpotential zu verzichten. Beide Seiten behalten ihre Waffen.

Der neue Präfekt ist selber Oberst der zentralafrikanischen Armee: Colonel Ferdinand Ngallo. In Uniform habe ich ihn noch nicht gesehen, und er ist auch nicht mit einem Kontingent von einheimischen Soldaten gekommen – was sich hier alle sehnlichst erhofft hatten. Er setzt auf Verhandlungen, Gespräche, Besinnung auf die gemeinsame Nation. Aber er zeigt auch deutlich die Grenzen auf: Jetzt sei die Zeit, die Waffen freiwillig niederzulegen. Irgendwann komme die Zeit des „désarmement forcé“, der erzwungenen Entwaffnung.

Der Präfekt war mit seinen sechs Unterpräfekten in einem Hubschrauber der Minusca-Truppen angereist. Jeder hatte einen Koffer für seine privaten Dinge dabei. Mehr nicht. Will heißen: Materiell fehlt es an allem, was eine halbwegs funktionierend Verwaltung ausmachen würde.

Seit dem ersten Tag habe ich ihm deshalb unser Auto zur Verfügung gestellt, den Landcruiser der Equipe Mobile. Ich selber finde die Verbindung von staatlicher Macht und Kirche immer höchst zweifelhaft und bin absolut kein Freund von solchen Kooperationen. Aber in der Zentralafrikanischen Republik ist vieles anders. Alles eigentlich. Hier bin ich mittlerweile zu einem „glühenden Anhänger“ von staatlicher Autorität geworden. Wenn man monatelang in totaler Anarchie zwischen verfeindeten Rebellengruppen lebt, wünscht man sich nichts dringlicher als einen funktionierenden Rechtsstaat. Deshalb bleiben wir als katholische Kirche von Mobaye unserer Linie treu: KEINE Kooperation mit den Rebellen, weder mit Selekas noch mit Anti-Balakas, ABER aktive Unterstützung der Wiederherstellung staatlicher Autorität in unserer Präfektur.

Ich schätze den Ansatz und die Vorgehensweise des neuen Präfekten sehr: diplomatisch und deutlich in einem. Und außerdem ist er praktizierender Katholik. In einem weltanschaulich neutralen Staat wie es auch die Zentralafrikanische Republik ist, darf die Religionszugehörigkeit eines Politikers keine Rolle spielen. Aber in der zentralafrikanischen Kultur, in der es keinen religionslosen Bereich gibt, hat sie ihre Bedeutung. Und so muss sich der Präfekt nun jeden Sonntag meine Predigt anhören. Oder die unseres Diakons Prince.

Ein Präfekt wird in jeder Unterpräfektur durch seinen Unter-Präfekten oder seine Unter-Präfektin vertreten. Deshalb sind wir vergangene Woche gemeinsam nach Zangba gefahren, wo die neue Unter-Präfektin offiziell in ihr Amt eingeführt wurde. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um unser kleines „Buschkrankenhaus“ zu besuchen und vor Ort Messe zu feiern – seit Beginn der Rebellion Ende Mai ist die Pfarrei ohne Priester.

Nach dem Gottesdienst

Am Rande der Amtseinführung der neuen Unter-Präfektin

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