Papa Faustin und seine zwei Söhne

Dies ist die traurige Geschichte von Faustin und seinen beiden Söhnen Isidore und Désiré.

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Faustin ist einer unserer Katecheten. Zusammen mit seinem Kollegen Antoine leitet er die kleine katholische Gemeinde in dem Dorf Bandou 2, etwa 15 Kilometer landeinwärts von Mobaye entfernt. Als die Kämpfe zwischen Seleka-Rebellen und Antibalaka-Kämpfern Ende Mai aufflammten, ist er mit seiner Familie in den Busch geflohen, in die weitläufige Umgebung seines Dorfes. Viele Bewohner haben das genauso gemacht: Versteckt zwischen Feldern und Wald leben sie zwar in ständiger Unsicherheit, aber die Natur liefert das Nötigste an Nahrung. Aus Angst vor Hunger und Schikanen im Kongo sind sie nicht ins Nachbarland geflohen.

So hat Faustin für sich und seine Familie eine kleine Hütte gebaut. Darin wollten sie leben und ausharren, bis dass der Spuk des Krieges vorüberziehen würde. Doch eines Tages, es war der 16. August 2017, haben Seleka-Rebellen aus dem Ort Langandji Jagd auf die geflohene Zivilbevölkerung gemacht. Faustin war gerade aufgebrochen, um einen Bekannten zu besuchen, als die Mörder das Versteck seiner Familie entdeckten: seine Mutter, seine im 8. Monat schwangere Frau, seine sechs Kinder und ein Patenkind mussten zunächst die armselige Habe aus der Hütte schaffen und sich dann auf den Boden legen. Dann haben sie auf sie geschossen. Faustin hat die Gewehrsalven gehört, wusste aber nicht, woher sie kamen und ist davongelaufen. Gegen 18.00 Uhr hat er sich zurückgeschlichen und hat fast seine ganze Familie tot aufgefunden. Wie durch ein Wunder haben seine zwei jüngsten Söhne überlebt: Désiré, 4 Jahre alt, und Isidore, 6 Jahre alt, mit einer Kugel im Oberschenkel. Am vergangenen Samstag hat man das Geschoss im hiesigen Krankenhaus herausgeholt.

Faustin hat alles verloren. Geblieben sind ihm seine beiden quirligen und lebensfrohen Jungs, die jetzt vier Tage bei uns gewohnt haben, bis dass der kleine chirurgische Eingriff bei Isidore gemacht war.

Die Mörder laufen unterdessen weiter unbehelligt in Langanji herum. Faustin kennt sie. Aber da es hier keine Justiz, keine Polizei, keine staatliche Gewalt gibt, zieht sie niemand zur Verantwortung. In der Basse-Kotto hat derjenige das Sagen, der eine Kalaschnikow in den Händen hält. Und Waffen tragen die Rebellen beider Seiten weiterhin. Trotz der ausgehandelten Waffenruhe.

Und Faustin? – Faustin will unbedingt wieder in sein Dorf Bandou 2 zurück. Gottesdienste feiern und Religionsunterricht geben. Damit der Glaube lebt.

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