In Zangba

 

Überall entlang des Ubangui-Flusses die tastenden Versuche, wieder in die Heimat zurückzukehren. Tausende von Zentralafrikanern wollen zurück.

Flüchtling sein in der Demokratischen Republik Kongo ist nicht leicht. Immer noch weitgehend auf sich gestellt leiden die Geflohenen unter den schweren Lebensbedingungen im Nachbarland. Der Staat ist durchwuchert von lähmender Bürokratie und tödlicher Korruption. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) scheint mehr den kongolesischen Funktionären zu dienen als den zentralafrikanischen Opfern von Rebellion und Bürgerkrieg, und den Hilfsorganisationen wird weiterhin die Daumenschraube angelegt, um möglichst viel für die eigene Tasche abzugreifen. Nach über einem halben Jahr als Zeuge „internationaler Flüchtlingsarbeit“ im Kongo bin ich völlig desillusioniert.

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Mama Marie-Antoinette und ihr Team vom Krankenhaus in Zangba gehen auch wieder heim. Wir ziehen uns aus der Gesundheitsstation von Kambo (Kongo) zurück, ab Montag arbeiten die vier Kollegen wieder in Zangba auf unserer Seite des Flusses. In einem früheren Eintrag hatte ich schon erwähnt, dass unser kleines Gesundheitszentrum von den Seleka-Rebellen völlig geplündert worden war. Genauso sollten wir es vorfinden.

Am vergangenen Mittwoch ist Mama Marie-Antoinette nach Mobaye gekommen. Von „Cordaid“, einer niederländischen Nicht-Regierungsorganisation haben wir eine kleine Hilfslieferung von Medikamenten in Empfang nehmen können und uns damit auf den Weg nach Zangba gemacht.  Auf zwei Motorrädern.

Alle Dörfer, die wir durchquert haben, sind fest in der Hand der Anti-Balaka-Bewegung. Jeder Ort hat seine Straßensperre. Als wir die etwa 45 Kilometer lange Strecke um die Mittagszeit zurücklegten, waren alle Schranken geöffnet – die bewaffneten Jungs hielten wohl Mittagsschlaf. Auf dem Rückweg mussten wir dreimal anhalten und verhandeln, dass wir ohne Bezahlung durchgelassen werden. Am späten Nachmittag unterwegs zu sein, ist nicht gut: Da sind Rebellen betrunken und haben Hunger.

Die beiden Gebäude unseres kleinen Krankenhauses sind intakt, die verbliebenen Bewohner von Zangba haben das Gelände immer in Ordnung gehalten. Jedoch: die Räume sind völlig leer, bis auf zwei Regale, die vielleicht  zu schwer für die Plünderer waren.

Und so heißt es wohl: Wieder von vorn anfangen, in der Hoffnung, dass es nachhaltiger sein wird als der Neuanfang im Januar letzten Jahres.

Verheerender ist es um das Pfarrhaus von Zangba bestellt. Während die Kirche unbeschädigt geblieben ist, haben die Rebellen das Haus der beiden Priester nicht geschont. Die Bilder sprechen mal wieder für sich.

Unglaublich, mit welchem Optimismus sich die Rückkehrenden ans Werk machen. Aber: Vorsicht ist weiterhin geboten. Und die Mehrheit der Flüchtlinge bleibt trotz allem im Kongo. Noch. Sie wollen die Ankunft der staatlichen Autoritäten abwarten. Denn: der Präfekt, von dessen erhofftem Eintreffen ich schon vor etlichen Wochen schrieb, und alle anderen staatlichen Behörden sind weiterhin in Bangui.

 

 

 

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