Der Kongo

Morgen geht es also zurück nach Gbadolite. Und dann im Laufe der Woche wieder nach Mobaye. Dann wird ein Fuß wieder auf zentralafrikanischem Boden stehen, und der andere im Kongo bleiben. Unser pastoraler Ansatz ist dieser: In unserem Mobaye vor Ort zu sein, missionarische Präsenz zu zeigen. Und gleichzeitig bei unseren Leuten zu sein, die ja zu 90% in den Kongo geflüchtet sind und dort weiterhin unter höchst prekären Verhältnissen (über)leben müssen.

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Der Kongo, vormals Zaire. Ein unermesslich großes Land. Drei Tage haben wir mit dem Motorrad gebraucht, um zwei der 26 Provinzen zu durchqueren… Ein unermesslich reiches Land. Drei Viertel aller Koltanvorräte der Welt liegen in kongolesischer Erde… Ein unermesslich konfliktreiches Land. Die UNO beziffert die Zahl der Toten unter der Zivilbevölkerung in der Provinz Kassai auf mehr als eintausend in den vergangenen zwölf Monaten… Ein unermesslich instabiles Land. Seit Dezember 2016 hält sich Präsident Kabila mit Gewalt an der Macht und verstößt damit eindeutig gegen die Verfassung seines Landes. Dringend gebotene Neuwahlen sind nicht in Sicht. Ein Volksaufstand gegen Ende des Jahres ist dagegen nicht mehr auszuschließen. Es brodelt an allen Ecken und Enden.

Mobutu
Foto aus: http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/903324.stm

Wer „Kongo-Zaire“ sagt, kommt nicht umhin, im zweiten Satz jenen Mann zu erwähnen, der das Geschick des Landes so geprägt hat wie wohl kein anderer – wenn man von dem äußerst gewalttätigen belgischen König Leopold II zu Kolonialzeiten absieht: Mobutu Sese Seko (1930-1997).

Die Heimat dieses Herrschers war die Region des „Nord-Ubangi“. Das ist genau jene Region, die unserer Basse-Kotto gegenüberliegt. Mobutus Stadt vom Reißbrett, innerhalb von wenigen Jahren aus dem Boden gestampft, war Gbadolite. Jene Stadt, in der heute der Bischof von Molegbe lebt, und wir auch, wenn wir nicht in unserem Mobaye sind. Die Spuren Mobutus finden sich überall: Ein neu herausgeputztes Denkmal, vor allem aber seine Prachtbauten. Oder besser: das, was von ihnen übrig geblieben ist, denn die Kabila-Rebellen Seite an Seite mit ruandischen Milizen haben zerstört und geraubt, was zu zerstören und zu rauben war. Mobutus berühmte Residenz auf dem Kawele-Hügel zehn Kilometer außerhalb der Stadt ist heute eine Ruine. Vor ein paar Wochen hatten wir Gelegenheit, die Stätte zu besichtigen.

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Was die Rebellen damals aber nicht zerstören konnten, ist die bleibende Verehrung für den Herrscher in den Herzen der Menschen. Bis heute schwärmen die Bewohner der Provinz des „Nord-Ubangi“ von Mobutu. Sicher, so höre ich immer wieder, war er auch ein Diktator. Aber vieles habe er auch gebracht nach Gbadolite: geteerte Straßen, ein Krankenhaus, eine Universität, eine katholische Kirche, Supermärkte wie in Belgien und so weiter. Unter Kabila gebe es nur Rückschritt… Klar. Die Heimat seines gestürzten Feindes lässt man erst einmal bluten in der „Demokratischen Republik Kongo“ (so der offizielle Staatsname).

Demokratie, so erscheint es mir, bedeutet im zentralen Afrika etwas ganz anderes als im westlichen Europa.

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