Ein bisschen Geographie

Mobaye, Gbadolite, Kambo… manchmal erwähne ich in diesem Blog Ortsnamen, als ob ein jeder die kennen müsste. Vielleicht kann die Karte ein wenig Überblick verschaffen, wie es hier in der Grenzregion aussieht.

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Die Zeichnung ist nur ein simples Schema und gibt die Entfernungen zueinander nicht genau wieder, aber das macht nichts.

In der Mitte des Bildes befindet sich der Grenzfluss Ubangui, oberhalb die Zentralafrikanische Republik, unterhalb die Demokratische Republik Kongo.

Am rechten Bildrand liegt „unser“ Mobaye, genauer gesagt „Mobaye Mbanga“, das zentralafrikanische Mobaye mit unserer Pfarrei. Gegenüber befindet sich „Mobaye Mbongo“, das kongolesische Mobaye. Östlich unserer Kleinstadt haben wir vor vier Wochen übergesetzt und sind dann mit zwei Motorradtaxis weiter nach Gbadolite gefahren, am unteren Bildrand. Dort lebt der Bischof der hiesigen Diözese, die aber nicht „Gbadolite“ heißt, sondern „Molegbe“, denn der traditionelle Bischofssitz befindet sich in dem 20Kilometer entfernten, weitaus kleineren Ort Molegbe.

Westlich von unserem Mobaye habe ich vier Dörfer eingezeichnet, von Lembo bis Mafunga. In jedem dieser Orte steht eine Kapelle; das sind vier der 18 Außenstationen, für die ich verantwortlich bin. Diese Orte sind heute fast menschenleer. Die Bewohner haben alle in den Kongo übergesetzt und sich in den gegenüberliegenden Orten niedergelassen. In Lembo-Ngbangba zum Beispiel, in dem zuvor ein paar Familien wohnten, leben jetzt über 2.000 Personen aus unserem Mafunga. Dort war ich gestern.

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Flüchtlingsfamilie in Lembo-Ngbangba. Auf der anderen Seite des Ubangi ihr Heimatdorf Mafunga.

Die Leute schauen den ganzen Tag auf’s gegenüberliegende Ufer – und sehen ihre abgebrannten Häuser. Der Ort wurde zu 75% vernichtet. Als Racheakt für einen Angriff der Anti-Balaka haben Seleka-Rebellen zahlreiche Häuser in Brand gesetzt. Zum Glück waren zu diesem Zeitpunkt schon alle Bewohner geflohen. Heute beherrscht eine Anti-Balaka-Miliz das Dorf – junge Männer aus  Mafunga selbst, die eine bewaffnete Gruppe zur Selbstverteidigung gebildet haben. Und die bereit sind, jeden Muslim zu töten, den sie aufspüren.

Ganz links auf der Karte liegt der Ort Zangba. 40 Kilometer von Mobaye entfernt befindet sich hier unsere Nachbarpfarrei. Die Menschen von dort sind fast vollständig in das gegenüberliegende Kambo geflohen, unter ihnen auch zwei Priester der Diözese. In Zangba befindet sich zudem das kleine katholische Krankenhaus, von dem ich in meinem letzten Eintrag schrieb. Mama Marie-Antoinette und ihre drei Kollegen mussten vor vier Wochen ebenfalls Hals über Kopf nach Kambo fliehen und arbeiten nun seit zwei Wochen unter den Flüchtlingen. Jeden Tag behandeln sie zwischen 50 und 80 erkrankte Flüchtlinge. Gratis, mit Hilfe Eurer Spendengelder (dazu in einem späteren Eintrag aber mehr).

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Das mobile Krankenhaus in Kambo

Mittlerweile hat uns die Nachricht erreicht, dass die Seleka-Rebellen unser Krankenhaus in Zangba geplündert haben und Medikamente und Ausrüstung nun in „ihrem“ Gesundheitsposten verwenden…

Aus unserem Dorf „Bôh“ ist das Team des staatlichen kleinen Gesundheitspostens auch geflohen ins gegenüberliegende Lembo-Sango. Der Krankenpfleger von dort ist aktives Gemeindemitglied; neulich habe ich noch drei seiner Kinder getauft. Einige Medikamente und Ausrüstung hat Abraham mit hinüber retten können, so dass auch er, als Flüchtling, nun in Lembo-Sango Flüchtlinge behandelt. Aus dem noch funktionierenden Krankenhaus von Mobaye (Mbanga) hat er einige Medikamente dazu bekommen, aber die Überfahrten werden immer riskanter. Und teurer, denn wenn man Waren aus der zentralafrikanischen Republik in den Kongo bringen will und von den höchstaktiven Zollbeamten erwischt wird, dann kostet das eine Menge Geld. Also habe nun auch ich im Namen unserer Diözese von Alindao begonnen, ihm Medikamente zur Verfügung zu stellen, die ich hier in Gbadolite einkaufe. Wie Mama Marie-Antoinette macht auch Abraham seine Arbeit richtig gut.

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Flüchtlingsfamilie beim Hausbau in Kambo

Die Herausforderungen sind gewaltig. Aber das Gottvertrauen ist größer.

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