Flüchtlinge

Ich wollte schon seit langem einmal geschrieben haben über ein weiteres Gesundheitsprojekt unserer Diözese von Alindao: Der Wiedereröffnung des kleinen katholischen Krankenhauses in unserer weit abgelegenen Nachbarpfarrei von Zangba. Aber bei meinen letzten Besuchen hatte ich keinen Fotoapparat dabei, und ohne Foto wollte ich nichts ins Netz setzen, und so haben sich die Ereignisse nun überschlagen…

Als Leiterin des Hauses konnte ich im vergangenen Dezember schon meine frühere Kollegin Marie-Antoinette gewinnen. Sie war zwischenzeitlich wieder in ihr Land, den Kongo zurückgegangen, aber seit einem halben Jahr ist sie wieder bei uns. Das heißt, jetzt ist wieder im Kongo, aber unter den Flüchtlingen. Zusammen mit Mama Albertine, einer Hebamme, Papa David, der die Apotheke und den Schreibkram macht, und David, einem jungen „Praktikanten“ und Helfer für alles, sind auch sie geflohen. Wie Mobaye auch liegt Zangba am Ubangi, und dort ist dasselbe geschehen wie bei uns: Die Leute fliehen zu Hunderten, zu Tausenden, auf die andere Seite des Flusses, in den Kongo.

Mama Marie-Antoinette und ihr Team sind jetzt also in Kambo. Der kleine kongolesische Ort muss plötzlich Raum bieten für mehr als 2000 Menschen zusätzlich.

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Die Dorfschule wird Unterkunft für Flüchtlinge.

Sie schlafen bei Leuten, die sie in ihre Häuser aufnehmen, in öffentlichen Gebäuden, in provisorischen Unterständen und Hütten.

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Ein neue Unterkunft entsteht.
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Die provisorische Unterkunft für Mama Marie-Antoinette und die Familie ihrer Kollegin, Mama Albertine.

Krankheiten, vor allem der Kinder, lassen da nicht lange auf sich warten. Aus der Klinik retten konnte das Personal kaum etwas. So haben wir hier am Mittwoch ein paar Medikamente gekauft, und gemeinsam mit Mama Marie-Antoinette bin ich in das Dorf gefahren, nur 18 Kilometer von unserer Stadt Gbadolite im Landesinneren entfernt.

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Die Medikamente für die Erstversorgung der Flüchtlinge.

Wir haben mit dem „Ortsvorsteher“ gesprochen, und er hat unsere Initiative willkommen geheißen: Er stellt einen Unterstand zur Verfügung, und seit Donnerstag arbeitet das Team: Sprechstunde und Behandlung gratis. Für die Flüchtlinge, aber auch für die kongolesischen Dorfbewohner. Das war die Bedingung, und die macht Sinn. Denn ansonsten schafft man Neid und Zwietracht zwischen den Einheimischen und den Geflohenen.

Das ist alles sehr improvisiert und vielleicht nicht genügend professionell.

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Die großen Organisationen der humanitären Hilfe werden kommen – Ärzte ohne Grenzen, UN-Flüchtlingshilfe usw. Hoffentlich. Aber der Notfall ist jetzt. Und den wollen wir überbrücken. Auch wenn es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.

 

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